Über den Wolken

Donnerstag, 11.10.2018

Auf dem Weg werden dir Menschen begegnen, die dich verwandeln, öffnen, entstauben“ Katie Kacvinsky; Maddie – immer das Ziel im Blick

 

Es ist dunkel in Les Allagouttes. Am Himmel blinzeln die Sterne, irgendwo bellen Hunde, ansonsten ist es still geworden. Die Kinder liegen (fast) alle friedlich in ihren Betten und schlafen hoffentlich. Hinter mir liegen zwei ereignisreiche, spannende freie Tage.

Davor erstmal ein kleines Spotlight des Wochenendes (welches ich großteils gearbeitet habe): Am Freitag hatten wir sehr netten Besuch aus Colmar von zwei anderen Freiwilligen, die hier übernachtet haben und am Samstag wieder zurückgefahren sind. Mit einem éduc und ein paar Kids bin ich (Samstag) Nachmittag nach Kaysersberg (welches übrigens trotz des deutschen Namens in Frankreich liegt) auf einen Waldorf-Markt gefahren. Am Tag darauf haben Fiona und ich mit einem anderen éduc und ein paar Kids einen Spaziergang in den Bergen gemacht. Das war richtig schön. Leider wurde ich die ganze Zeit in ein Pferd, ein Kaninchen oder eine nicht sprechen könnende Person verzaubert, aber glücklicherweise konnten die Sprüche allesamt rückgängig gemacht werden.

Montag war ein wundertoller Tag! Als erstes war ich in einer Wolke. Also Les Allagouttes war in einer Wolke und ich war eben in Les Allagouttes. Wie man es nimmt. Jedenfalls ist diese Wolke nach kurzer Zeit weiter Richtung Boden gewandert und plötzlich war ich über den Wolken (ich kann euch sagen, die Freiheit ist hier so grenzenlos wie darunter auch), welche von der morgendlichen Sonne angestrahlt wurden. Richtig motiviert bin ich joggen gegangen (eine kleine Bemerkung am Rande: joggen in den Bergen ist schwerlich ein Vergnügen, da entweder der Berg bezwungen werden muss, was unglaublich anstrengend ist, oder es bergab geht, was ungefähr genauso viel Sinn ergibt, wie Elektrofahrrad fahren. Falls also jemand Tipps zum Joggen in den Bergen hat, dürfen diese gerne in den Kommentaren hinterlassen werden;) ). Oben auf dem Berg war die Aussicht noch etwas fantastischer, da konnte ich meinem Fotozwang nicht widerstehen. Die wunderbaren Exemplare werde ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Die Kuh über dem Nebelmeer

Nach einer kurzen Klavier-Session sind Charlotte, Mathea, Linnéa und ich nach Colmar gefahren, um ein bisschen zu bummeln und ein bisschen weniger Tourist zu sein-immerhin sind wir ja jetzt Einheimische. Zum Mittag haben wir uns (natürlich nur aus genau diesem Grund) zwei Baguettes und Käse gekauft, die wir auf einer Bank in der Altstadt genossen haben. Irgendwann war dann unser Parkticket abgelaufen, deshalb haben wir uns auf die Suche nach dem Auto gemacht (keine Angst, wir haben es gefunden), sind kurz nach Hause gedüst und von dort aus ging es direkt weiter nach Sucenord (das ist der Bauernhof, der auch zu der Einrichtung gehört, aber ca. 7km von Les Allagouttes entfernt ist). Dort haben wir die (sehr alten, vom Schlachter geretteten, aber sehr süßen) Pferde geschnappt und einen Ausritt im Wald gemacht. Bei untergehender Sonne trafen wir auf ein Maultier oder einen Maulesel und ein paar Kühe, und konnten dabei sogar manchmal traben :D. Auf dem Rückweg war es schon ziemlich dunkel, also haben wir die Pferde zu den Eseln und ihren restlichen Kumpels auf die Weide zurückgebracht und sind in Charlottes Wohnung gegangen, um Nudeln zu kochen. Dazu haben wir eine äußerst appetitlich aussehende Mischung aus Ei und Aubergine gezaubert und sind damit auf den Heuboden gegangen. Dort haben wir es uns gemütlich gemacht und begleitet von dem harmonischem Geklingel der Kuhglocken gegessen und geredet. Es war super schön. Irgendwann hat Charlotte gesehen, dass ein Ferkel ausgebrochen ist. In einer semiprofessionellen Rettungsaktion, haben wir herausgefunden, dass Ferkel richtig laut kreischen können. Dementsprechend blieb sie auch erfolglos. Letztendlich ist das Schweinchen in einen anderen Stall geschlüpft, sein weiteres Schicksal sollten wir nicht mehr erfahren. Da es nun auch langsam kalt geworden war, haben wir uns Auto Pünktchen geschnappt und sind bei offenem Dachfenster unter den Sternen nach Hause gerauscht. In der wohligen Wärme der Wohnung ging der Tag zu Ende.

Danke für die Fotos, Charlotte

Auf Montag folgt bekanntlich Dienstag, welchen ich (nach einem Frühstück) mit einem Spaziergang gemeinsam mit Fiona begonnen habe. Es war ein super schöner Weg, mit zum Teil toller Aussicht. Nach einem Mittagessen und einem Einkauf beim Intermarché, haben Charlotte und ich Geige und Oboe gespielt. Endlich mal wieder zusammen Musik machen! Irgendwann sind wir in die Schule in den großen Saal gegangen, wo Mathea schließlich auch noch zu uns gestoßen ist und zu dritt haben wir ein (superschönes) Stück für Cello, Geige und Klavier ausprobiert. Klar, es braucht wohl noch etwas Übung, aber für den Anfang war es nicht mal schlecht :D. Bald hatten wir wieder Hunger (ich habe gefühlt ständig Hunger) und so haben wir uns den Bauch mit Reis und Gemüse vollgeschlagen und sind dann zu Linnéa und Kathi rübergegangen, wo wir Charlotte und mir die Haare geschnitten haben. Es sieht besser aus, als es klingt! Wir haben uns extra eine Stoffschere gekauft und für das erste Mal hat das Schneiden super geklappt. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Frisur :). Leichten Hauptes bin ich zurückgekehrt und nach einem schönen Telefonat ins Bett gefallen. So war das.

Jetzt habe ich euch aber garnichts über Pistache erzählt, obwohl ich euch das doch versprochen habe. Also, Pistache (übersetzt Pistazie) heißt Pistache, weil er immer diesen „lustigen“ Witz mit „tu as une tâche là - pistache“, macht. Wer ihn nicht versteht, nicht schlimm, ist nicht so witzig. Aber Pistache ist ultra cool. Er erinnert mich immer an einen Welpen (ich finde Pistache ist auch irgendwie ein Hundename:D ), weil er unglaublich aufgedreht, aber auch neugierig und niedlich ist. Pistache redet wie ein Wasserfall und so undeutlich, dass selbst die éducs Schwierigkeiten haben, ihn zu verstehen. Ansonsten ist er aber echt fit. Er war auch der, der mich auf der Wanderung verwandelt hat, er hatte sehr viel Spaß dabei...